Market, Limit, Stop und Stop-Limit: Auslösen ist nicht Ausführen
Was passiert bei Market-, Limit-, Stop- und Stop-Limit-Orders zwischen dem Klick und der Ausführung, und wo liegt der Unterschied zwischen Auslösen und Ausführen?
Zwei getrennte Ereignisse
Eine Order hat zwei Zeitpunkte, und die meisten Missverständnisse beim Aktienkauf entstehen daraus, dass man sie verwechselt. Zuerst wird die Order ausgelöst (englisch trigger): Sie wird aktiv und an den Handelsplatz gegeben. Bei Market- und Limit-Orders passiert das sofort nach der Aufgabe, bei Stop-Orders erst, wenn der Kurs den Stop-Kurs erreicht. Danach wird sie ausgeführt (execution): Ein Geschäft kommt zustande, zu einem konkreten Kurs und einer konkreten Stückzahl. Ob und zu welchem Kurs das geschieht, entscheiden die Bedingungen der Order und der Markt, nicht die Zahl, die Sie eingetippt haben.
Ein Stop-Kurs ist also kein Ausführungskurs, sondern ein Auslöser. Diese Unterscheidung steckt hinter jeder Prüfung, die das Szenario-Tool im Ergebnis auflistet.
Die vier Orderarten beim Kauf
| Orderart | Wird aktiv | Wird ausgeführt | Bleibt unausgeführt, wenn |
|---|---|---|---|
| Market | sofort | zum nächsten verfügbaren Kurs | kein Angebot vorhanden ist (selten, aber bei illiquiden Titeln möglich) |
| Limit | sofort | nur zum Limit oder besser (beim Kauf: zum Limit oder darunter) | der Kurs über dem Limit bleibt |
| Stop (Stop-Market, „Stop-Buy“) | wenn der Kurs den Stop erreicht oder überschreitet | danach wie eine Market-Order | der Stop nie erreicht wird |
| Stop-Limit | wenn der Kurs den Stop erreicht | danach nur bis zum Limit | der Kurs nach dem Auslösen über dem Limit liegt |
Beim geplanten Verkauf über einen Stop, also auf der Ausstiegsseite des Szenarios, gilt dasselbe spiegelbildlich: Der Stop-Kurs liegt unter dem aktuellen Kurs, die Order löst aus, sobald er erreicht oder unterschritten wird, und läuft danach als Market- oder als Limit-Order weiter.
Synthetisches Beispiel
Eine erfundene Aktie notiert bei 20,10 EUR. Vier Käufer wollen je 50 Stück, und jeder wählt eine andere Orderart.
- Market: Sofort ausgeführt, etwa zu 20,12 EUR, dem aktuellen Briefkurs. Den Einstiegskurs kennt der Käufer erst nach der Ausführung.
- Limit 20,00 EUR: Wird nur ausgeführt, wenn ein Verkäufer zu 20,00 EUR oder tiefer anbietet. Bleibt der Kurs den ganzen Tag über 20,00 EUR, passiert nichts.
- Stop 20,50 EUR: Löst aus, sobald 20,50 EUR erreicht sind, und wird dann zum nächsten Kurs ausgeführt, vielleicht 20,55 EUR.
- Stop 20,50 EUR mit Limit 20,60 EUR: Löst bei 20,50 EUR aus, wird aber nur bis 20,60 EUR ausgeführt. Springt der Kurs direkt auf 20,80 EUR, bleibt die Order liegen.
Auf der Ausstiegsseite: Alle vier haben zu etwa 20,10 EUR gekauft und legen einen Stop-Verkauf bei 18,00 EUR an. Eröffnet die Aktie am nächsten Tag bei 17,20 EUR, löst der Stop aus; die Market-Variante verkauft bei etwa 17,20 EUR, nicht bei 18,00 EUR. Die Stop-Limit-Variante mit Limit 17,90 EUR wird gar nicht ausgeführt, und die Position bleibt offen, ganz gleich, wie es weitergeht. Der Stop-Market nimmt also den schlechten Kurs in Kauf, um sicher aus der Position zu kommen; der Stop-Limit schützt vor dem schlechten Kurs und riskiert dafür, gar nicht zu verkaufen. Das ist kein Detail, sondern die zentrale Entscheidung beim Anlegen eines Stops. Mehr dazu unter Gap, Slippage und Nichtausführung.
Gültigkeit und Teilausführung
Orders haben eine Gültigkeit: tagesgültig, bis zu einem Datum oder bis auf Widerruf (englisch GTC, good till cancelled). Eine Limit-Order kann außerdem in mehreren Teilen ausgeführt werden; manche Broker berechnen dann je Teilausführung ein Entgelt, andere nicht. Beides sind Fakten aus dem Preis- und Leistungsverzeichnis des Brokers, keine Marktmechanik, und beides sollten Sie vor dem Auftrag nachgelesen haben.
Was daraus für das Szenario folgt
Der Rechner fragt die Orderart für den Kauf ab und behandelt den Einstiegskurs immer als Annahme. Bei Market- und Stop-Orders kennen Sie den tatsächlichen Kurs erst nach der Ausführung; bei Limit- und Stop-Limit-Orders kann der Kauf ausbleiben. Das Ergebnis nennt diese Punkte unter „Operative Prüfungen“. Welche Orderarten ein Broker an welchem Handelsplatz überhaupt annimmt, ist eine Anbieterfrage; wie Sie sie prüfen, steht unter Broker-Leistungen vergleichen.