Aktie kaufen oder Hebelprodukt: Was genau wird gehandelt?
Woran erkenne ich, ob ich echte Aktien kaufe oder ein Hebelprodukt, und warum ändert das die ganze Rechnung?
Der Aktienkauf als Kassageschäft
Wer über einen Broker eine Aktie kauft, erwirbt Stücke eines Unternehmens, zahlt den vollen Kaufpreis samt Kosten und hat die Aktien danach im Depot. Steigt der Kurs, ist die Position mehr wert; fällt er, weniger. Mehr als den eingesetzten Betrag können Sie bei einem reinen Long-Kauf nicht verlieren, weil keine Schulden entstehen. Genau diesen Fall meinen wir auf allen Wissensseiten und im Aktien-Trade-Szenario, wenn von „Aktienkauf“ die Rede ist; im Englischen heißt er cash equity oder long stock.
Was Hebelprodukte anders machen
CFDs (Contracts for Difference), Knock-out-Zertifikate, Optionsscheine, Optionen und Futures bilden Kursbewegungen ab, ohne dass Sie die Aktie besitzen. Gemeinsam ist ihnen der Hebel: Sie setzen weniger Kapital ein, als die Position an Kursbewegung abbildet. Das klingt zunächst nach einem Vorteil, verändert aber drei Dinge, die wir hier bewusst nicht weiterrechnen:
- Verlustgrenze: Bei CFDs kann der Verlust die hinterlegte Sicherheit übersteigen; für Privatkunden ist er auf das Kontoguthaben beim Anbieter begrenzt. Knock-outs verfallen, sobald der Kurs die Schwelle berührt. Die einfache Rechnung „Stückzahl × Kursabstand“ gilt so nicht mehr.
- Laufende Kosten: Finanzierungskosten über Nacht, Aufgeld, Zeitwertverlust oder Margin-Anforderungen kommen hinzu, und zwar unabhängig davon, ob sich der Kurs überhaupt bewegt.
- Gegenpartei: Bei CFDs und Zertifikaten steht Ihnen ein Emittent oder Anbieter als Vertragspartner gegenüber, nicht der Aktienmarkt.
Woran Sie den Unterschied im Orderfenster erkennen
Drei Merkmale reichen in der Regel aus. Erstens die Bezeichnung: Aktien tragen einen Unternehmensnamen mit ISIN und WKN, Hebelprodukte nennen einen Basiswert, einen Emittenten, eine Knock-out-Schwelle, einen Hebel oder eine Laufzeit. Zweitens der Handelsplatz: Aktien handeln Sie an Börsen wie Xetra oder im außerbörslichen Direkthandel; Zertifikate und Optionsscheine laufen häufig über den Emittenten oder über spezielle Zertifikatebörsen, CFDs ausschließlich beim CFD-Anbieter selbst. Drittens der Kapitaleinsatz: Bei einer Aktie entspricht der Kaufbetrag Stückzahl × Kurs, bei einem Hebelprodukt ist er nur ein Bruchteil des abgebildeten Werts. Wer beim dritten Punkt stutzt, weil der Betrag verdächtig klein ausfällt, hat die Antwort meist schon.
Synthetisches Beispiel
Eine erfundene Aktie notiert bei 20,00 EUR. 50 Stück kosten 1.000,00 EUR plus Orderkosten. Fällt der Kurs auf 18,00 EUR, ist die Position noch 900,00 EUR wert; der Kursverlust beträgt 100,00 EUR, unabhängig davon, wann Sie verkaufen. Ein Knock-out-Zertifikat mit Hebel 10 auf dieselbe Aktie bildet die gleiche Bewegung mit rund 100,00 EUR Einsatz ab. Fällt der Kurs um 10 %, ist dieser Einsatz weg oder das Papier verfällt. Wir rechnen auf diesen Seiten nur den ersten Fall.
Kurze Abgrenzung: Trading und Investieren
Beide kaufen dieselben Aktien; der Unterschied liegt in Haltedauer, Ausstiegsplan und im Gewicht der Orderkosten. Wer nach Tagen oder Wochen wieder verkauft, für den zählen Spread, Orderentgelte und die Frage, ob ein Stop tatsächlich ausgeführt wird, deutlich mehr als für jemanden, der Jahre hält und dieselben Kosten über einen langen Zeitraum verteilt. Wir behandeln hier die kurzfristige Perspektive; Sparpläne, ETFs und andere Investmentthemen bleiben außen vor.
Was daraus für das Szenario folgt
Das Szenario-Tool verlangt deshalb immer einen Einstiegskurs und einen Stop-Kurs je Aktie sowie eine ganze Stückzahl. Hebel, Margin oder Knock-out-Schwellen gibt es dort nicht. Wie aus dem Kursabstand die Stückzahl entsteht, erklären wir unter Positionsgröße und Stop-Abstand.